Massenunterbringung gefährdet minderjährige Flüchtlinge – Spaziergang am 25.09.2015

Mitten im Bahnhofsviertel werden von der Stadt Frankfurt momentan ca. 200 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in einem Hostel untergebracht.

Am 25.09.2015 trafen sich Aktivist*innen im Kaisersack zu einem Spaziergang, um gemeinsam mit ihnen auf ihre katastrophale Situation aufmerksam zu machen. Am selben Tag wurden insgesamt 180 Anzeigen auf Kindeswohlgefährdung beim städtischen Jugendamt eingereicht.

Massenunterkunft und Bewachung…

Auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung suchen hier Kinder und Jugendliche Schutz, die ohne Familie ankommen. Sie haben eine langwierige, gefährliche und traumatische Flucht hinter sich.

▶ Im Hostel werden sie nun auf engstem Raum untergebracht, anhand ihrer Zimmer-Nummer verwaltet und von einem Sicherheitsdienst bewacht.

…statt angemessener Betreuung

Sozialarbeiter*innen sollen sich dort dem Wohl der Kinder und Jugendlichen annehmen – sie bei ihrem Asylantrag unterstützen, zu Ärzt*innen und Ämtern begleiten, ihnen helfen, ihre traumatischen Erfahrungen der Flucht verarbeiten zu können. Diese individuelle Betreuung im Rahmen einer Inobhutnahme nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) dient der Sicherung des Kindeswohls. Es benötigt viel Zeit, Einfühlungsvermögen und Professionalität – und entsprechende fachliche Erfahrung. Voraussetzung dafür sind ein angemessenes Betreuungs-Setting mit genügend Fachkräften.

▶ Die ca. 200 Kinder und Jugendlichen im Hostel werden von gerade mal einer Hand voll Fachkräften und Student*innen betreut.

Prekäre Arbeitsbedingungen

Kolleg*innen, die dort arbeiten, berichten, dass kaum ein persönlicher Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen möglich ist; sie seien mit bürokratischen Formalitäten voll ausgelastet. Die Kinder und Jugendlichen wären weitgehend sich selbst überlassen – eine vertrauensvolle Bindung kann unter diesen Bedingungen nicht aufgebaut werden. Wichtige Aufgaben wie der Erstkontakt oder die psychosoziale Betreuung in der Nacht werden weitestgehend vom Hostel-Personal und einem Sicherheitsdienst übernommen: Diese teilen Erstausstattungspakete aus und führen nächtliche Kontrollgänge durch.

▶ Viele Kolleg*innen haben angesichts dieser Arbeitsbedingungen und befristeter Verträge bereits gekündigt und sich eine andere Arbeitsstelle gesucht.

▶ Die betroffenen Kinder und Jugendlichen haben nicht die Möglichkeit zu entscheiden, wo sie leben.

Sozialdezernentin und vae kontexte sind verantwortlich

Die vae kontexte gGmbH (Tochtergesellschaft des Vereins Arbeits- und Erziehungshilfe e.V.) als betreuender Träger und die Sozialdezernentin der Stadt Frankfurt und vae e.V.-Vorstandsvorsitzende, Frau Prof. Dr. Birkenfeld, stehen in der Verantwortung, damit es bei dieser katastrophalen Unterbringungs- und Betreuungssituation zu keinen Kindeswohlgefährdungen kommt.

Sie sind in der Pflicht, sich an die gesetzlichen Vorgaben des KJHG zu halten, für eine menschenwürdige Unterbringung zu sorgen und die individuelle Betreuung zu gewährleisten.

▶ Eine Massenunterbringung, bei der keine individuelle Betreuung mehr möglich ist und nur noch „Fälle“ verwaltet werden, gefährdet das Wohl jedes einzelnen Kindes und Jugendlichen.

Wir fordern

  • Menschenwürdige Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen – Auflösung von Massenunterkünften

  • Einhaltung von Standards der Jugendhilfe und des Kindeswohls, d.h. Erhöhung des Personalschlüssels – Beschäftigung von ausgebildeten Fachkräften in den Einrichtungen – kein Einsatz von Sicherheitsdiensten

  • Sichere, gute Arbeitsbedingungen, regelmäßige Supervision und Teamsitzungen; feste Verträge mit Tarifbindung

Gemeinsam für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen für alle!